RT-Duits: 25-06-2024,

Von Tom J. Wellbrock

Natürlich denke ich noch an Deutschland, insbesondere an Hamburg, wo ich geboren wurde. An meinen Stadtteil Altona, wo ich aufgewachsen bin, an den Hamburger Hafen, die Alster. So viele Erinnerungen verbinden mich mit Deutschland, mehr als 50 Jahre davon, der Umzugskarton, den man mit ihnen füllen kann, ist groß. Ich wollte nie weg, war ein “Fischkopf”, wie er im Buche steht. Nur das Plattdeutsche habe ich nie gesprochen, meine Geschwister haben es versucht, und es klang so schlecht, dass ich mich gleich dagegen entschied, ich hätte es auch nicht besser hinbekommen.

Meine Frau wollte auch nie weg. Dann kam Corona. Und kurz vor dem Beginn der Debatte über eine mögliche Impfpflicht entstand das erste Mal der Gedanke: “Und wenn wir Deutschland verlassen?” Wir äußerten ihn vorsichtig, fast defensiv, uns gegenseitig entschuldigend. Aber er war da, und er hielt sich hartnäckig.

Dann kam der Ukraine-Krieg, und jetzt wuchs der Gedanke, wurde konkret, der defensive Charakter verschwand. Wir reisten mit den Daumen auf der Landkarte nach Mexiko, nach Costa Rica, nach Italien, in die Schweiz, nach Dänemark, nach Russland. Ich hatte Russland 2022, kurz nach dem Beginn des Ukraine-Krieges, besucht und war zutiefst berührt gewesen, hatte am Marsch des “Unsterblichen Regiments” und an der Parade auf dem Roten Platz am 9. Mai 2022 teilgenommen. Seitdem ließ mich Russland nicht mehr los.

Kleiner Exodus: Wie Großfamilien aus dem Westen nach Russland kommen

Bevor wir Europa endgültig den Rücken kehren sollten, versuchten wir mit Ungarn einen Kompromiss, doch es funktionierte nicht.

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