Apolut: 04-10-2026, 
Wie Regierungen aus Rückzügen Entscheidungen, aus Engpässen Störungen und aus Niederlagen Neuausrichtungen machen, und warum das keine Lügen im engeren Sinn sind, sondern Sprachherrschaft
Ein Meinungsbeitrag von Dirk Ellerbrock.
Es gibt im Krieg eine besonders elegante Form der Propaganda: Man muss die Realität gar nicht leugnen. Es genügt, sie umzubenennen. Ein Rückzug wird zur „strategischen Neuausrichtung“, ein verlorener Stützpunkt zur „bewussten Entscheidung“, eine angezapfte Ölreserve zu einem „Tausch“. Dieser Text hat eine einzige These, und ich nenne sie gleich zu Beginn: Die Umbenennung ist kein Ausrutscher der Kommunikationsabteilung, sondern ein Werkzeug der Macht. Sie soll nicht die Tatsachen verändern, denn die lassen sich nicht verändern, sondern die Frage, die man an die Tatsachen stellt.
Den Anlass liefert ein Gespräch zweier Männer, die den Apparat von innen kennen: Larry Johnson, früher Analyst beim amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA, und Lawrence Wilkerson, pensionierter Oberst der US-Armee und einst Stabschef des damaligen Außenministers Colin Powell. Ihre Einschätzungen sind teilweise drastisch, und nicht alles davon lässt sich belegen. Interessant ist das Gespräch trotzdem, weil es zeigt, was geschieht, wenn offizielle Erfolgserzählungen und materielle Tatsachen auseinanderlaufen. (https://youtubetotranscript.com/transcript?v=DnvOqe7zbeg)
Das Handwerkszeug: vier Griffe
Wer die Beispiele unten liest, wird immer wieder dieselben vier Griffe erkennen.
· Der erste ist die Umbenennung: Der Verlust bekommt den Namen einer Entscheidung.
· Der zweite ist die Verschiebung der Frage: Aus „Warum mussten wir gehen?“ wird „Warum haben wir uns entschieden zu gehen?“ Wer die zweite Frage beantwortet,