Apolut: 21-06-2026, Apolut: Wie man das Denunziantentum spielerisch hoffähig macht | Von Dirk C. Fleck

Ein Meinungsbeitrag von Dirk C. Fleck.

Ist eigentlich hinreichend bekannt, dass siebzig Prozent aller Verhaftungen, die von der Gestapo vorgenommen wurden, nicht auf eigenen Recherchen, sondern auf Hinweisen aus der Bevölkerung beruhten? Diese Information in Verbindung mit den Impressionen, die ich während der RAF-Hysterie in den siebziger Jahren sammeln konnte, brachten mich Mitte der Achtzigerjahre auf die Idee für einen Spielfilm namens „JACKPOT“. Ich reichte das Exposé bei der Filmförderungsanstalt in Berlin ein. Im ersten Absatz heißt es:

„JACKPOT ist eine realistische Fiktion. Unter realistischer Fiktion verstehe ich eine Zukunftsperspektive, die sich aufgrund der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse schon heute abzeichnet. In JACKPOT wird fortgeschrieben, was mit der Datenerfassung längst begonnen hat.“

Der Hintergrund für diese Geschichte ist schnell erzählt. Ich hatte mir vorzustellen versucht, wie es einem Staat gelingen könnte, das Denunziantentum so spielerisch in die Gesellschaft zu integrieren, dass niemand Skrupel zu haben braucht, wenn er am Nachbarn, unter Freunden oder in der Familie Verrat übt. Das geschieht in JACKPOT über eine staatliche Lotterie, in der jede Woche eine siebenstellige Gewinnzahl ermittelt wird. Pro Runde werden zehn Millionen — Euro, Dollar, egal — ausgeschüttet. Sollte sich kein Gewinner finden, erhöht sich der Jackpot automatisch um weitere zehn Millionen. In unserem Fall ist die auszuschüttende Summe auf hundert Millionen angeschwollen. Das Land liegt im Jackpot-Fieber. Die Spielregeln besagen, dass der Gewinner des Jackpots 50
Prozent des Gewinns ausbezahlt bekommt. Die anderen 50 Prozent erhält er, wenn es ihm gelungen ist,

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