Transition News: 09-02-2026,

Literaturmagazine sind heutzutage Mangelware, erst recht im Printsegment. Wer die Regale in einer Bahnhofsbuchhandlung sichtet, findet ein spärliches Angebot. Federwelt liegt dort aus, eine Fachzeitschrift für Schreibanfänger, Der Selfpublisher, ein Magazin für Autoren, die ihre Werke auf eigene Faust veröffentlichen wollen, und Bücher, ein Periodikum, das den professionellen Literaturbetrieb abbildet.

Letzteres bezeichnet sich als «unabhängiges» Magazin. Nach dem ersten Blick in das Heft ergeben sich jedoch Zweifel. Ideologisch schwimmt das Magazin eindeutig mit dem Strom, was auf der Sprachoberfläche allein an der Gendersprache ersichtlich wird.

Auffällig ist vor allem, dass sich gerade die längeren Beiträge mit Büchern befassen, in denen es um die populären Themen des politmedialen Komplexes geht. Während sich die kurzen Rezensionen tatsächlich auf die literarische Qualität ausrichten, heben Interviews oder Berichte den gesellschaftspolitischen Subtext hervor.

Hervorhebung des Klimawandels und des NATO-Beitritts

Hier und da sind immer wieder Versatzstücke offizieller Narrative zu finden, beispielsweise in dem Beitrag über die diesjährige europäische Kulturhauptstadt Oulu, die sich unter dem Motto «Cultural Climate Change» präsentiert. «Die Finnen spüren den Klimawandel hautnah und wollen ihrer industriell geprägten Region mehr Kultur einhauchen», heißt es gleich im Teaser.

Wird die Stadt dafür hofiert, dass sie öffentlichkeitswirksam ein umweltfreundliches Gesicht formt, erhält die ehemalige finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin einen eigenen Beitrag für ihre geopolitische Entscheidung, ihr Land nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs an die NATO angeschlossen zu haben. Deren Amtszeit, heißt es in dem Artikel, sei in eine besonders turbulente Periode der Weltpolitik gefallen.

Marins Sachbuch «Hope in Action» wird folglich als «lesenswerte Gedächtnisauffrischung» bezeichnet:

«Unter Marins Führung, und unter dem Eindruck der neuen Eskalationsstufe in Russlands Krieg auf ukrainischem Territorium, tat Finnland einen historischen Schritt und trat der NATO bei.»

Abgedroschenes Mainstream-Vokabular und pathetische Hintergrundinformationen voller Halbwahrheiten. Abgerundet wird die Hagiographie mit einer dramatisch aufgebauschten Heroisierung:

«In ihrem Buch schildert die einstige Regierungschefin lebendig und eindringlich, wie sie diesen Schritt zunächst innenpolitisch vorbereitete und dann aktiv den Dialog mit der damaligen schwedischen Ministerpräsidentin Magdalena Andersson vorantrieb, um zu erreichen, dass beide Länder gleichzeitig ihre Beitrittsabsichten beschließen und bekannt geben würden.»

Die Sorge um Minderheiten

Ein weiteres Stichwort aus dem Fundus regierungsnaher Produzenten der Herrschaftsmeinung fällt in dem Beitrag über den US-amerikanischen Literaturklassiker «Ich bin» von John A. Williams. Der Schlüsselroman zur afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung thematisiert die gesellschaftliche Spaltung in der Gesellschaft der Vereinigten Staaten der 1960er-Jahre.

Doch diese sei nicht nur in den USA eine Realität, heißt es in dem Artikel. Begriffe wie «Remigration» vergifteten auch hierzulande den politischen Diskurs. Unabhängig davon, dass die Regierungen und ihre Helfershelfer aus den Redaktionen genau solcher Medien die gesellschaftliche Spaltung seit der Corona-Krise selbst vorantreiben, werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Anders als in den USA bezieht sich die Remigrationsdebatte auf Migranten, die sich eben nicht an Recht und Gesetz halten.

Auch das Bücher-Magazin hält krampfhaft daran fest, Minderheiten als Opfer darzustellen und sie zu streicheln,

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