Fassadenkratzer: 02-01-2026,

Die Weihnachtszeit dauert ja noch bis 6. Januar. Daher möchte ich im Anschluss an die Betrachtung Hermann Hesses von 1917 über die allgemeine Weihnachts-Sentimentalität im vorigen Artikel noch an etwas sehr Wesentliches erinnern. Es ist erstaunlich, dass Hermann Hesse eine große Ausnahme nicht erwähnte – was zeigt, wie stark sie verborgen gehalten wurde -, die bereits im ersten Kriegs-Weihnachten stattgefunden hat: den Weihnachtsfrieden von 1914, der an der Westfront in großem Ausmaß von den einander feindlich gegenüberliegenden Soldaten selbst ausging. Sie erlebten, wie alle Herzen ein sonderbares, in Worten gar nicht wiederzugebendes Gefühl durchzitterte“, das bei Tausenden zu ernst-heiteren weihnachtlichen Begegnungen und Verbrüderungen führte. 

Fotograf: Schütze (Rifleman) R.W. Turner: „British and German soldiers fraternising at Ploegsteert, Belgium, on Christmas Day 1914, Front of 11th Brigade, 4th Division“ | Bildnachweis (Public Domain, Wikimedia)


Auf den Flügeln der Weihnachtslieder, die aus den Schützengräben erklangen, insbesondere „Stille Nacht …“ und „Adeste fideles“ (Herbei, o ihr Gläub`gen), drang
die Menschenliebe, welche wesenhaft den Zauber der Weihnacht ausmacht, real in die wehmütig an ihre Lieben zu Hause denkenden Herzen aller Soldaten ein. Anders ist das Ganze auch überhaupt nicht zu erklären.

Angesichts des erneuten gegenwärtigen Kriegsgeschreis, das insbesondere von deutschen Macht-Wahnsinnigen, die sich auch noch „Christen“ nennen, unter offensichtlichen Lügen gegen Russland erhoben wird, begleitet von martialischen Kriegsvorbereitungen, sei das Geschehen von 1914 wieder in Erinnerung gerufen und mein Artikel vom 21.

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