Multipolar: 24-02-2026,
Nicht die Vermeidung von Krieg ist der Zweck der Aufrüstung, sondern die Herstellung militärischer Überlegenheit gegenüber dem vermuteten Militärpotenzial des Großmachtrivalen, sodass dieser seinerseits auf die Durchsetzung seiner Großmachtinteressen von vorneherein verzichtet. Multipolar veröffentlicht Auszüge aus dem Buch „Großmachtsucht“ von Jens van Scherpenberg.
JENS VAN SCHERPENBERG, 11. Februar 2026, 2 Kommentare, PDF
„Russland bereitet sich auf einen großen Krieg gegen die NATO vor“ – so die gemeinsame Warnung der deutschen Sicherheitsdienste im Oktober 2025. Und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wartet vor dem Europäischen Parlament dementsprechend mit dem umwerfend logischen Schluss auf: „Man gibt nicht so viel für das Militär aus, wenn man nicht plant, es zu benutzen.“ Sie meint damit natürlich Russland. Damit ist die „Bedrohung“, vor der „wir“ uns schützen müssen, klar benannt.
Es verwundert nur, dass es für diese Mitteilung geheimdienstlicher Erkenntnisse bedurfte. Immerhin lässt die NATO ukrainische Truppen seit Februar 2022 durch von ihr geliefertes, umfangreiches Waffenarsenal einen intensiven Stellvertreterkrieg gegen die russischen Streitkräfte führen, unterstützt diesen auch direkt durch ihr volles Spektrum an elektronischen Aufklärungsmitteln und hat zudem selbst ein gewaltiges Aufrüstungsprogramm aufgelegt. Angesichts dessen ist offenbar die russische Staats- und Militärführung ihrerseits zur selben Erkenntnis gekommen wie Kallas, nur umgekehrt: dass die NATO „einen großen Krieg“ gegen Russland vorbereitet – und in der Ukraine schon einmal probt. Und darauf bereitet sich Russland seinerseits vor.
Ist das alles nur ein großes Missverständnis? Eine beiderseitige Fehleinschätzung, aus der heraus – wie besorgte Kommentatoren warnen – „wir“ womöglich wie schon 1914 „schlafwandlerisch in den Krieg rutschen“,