Manova: 12-09-2026,

Manova: Die Ersatz-Gottheit

Es ist praktisch allwissend und kann praktisch überall auf der Welt kontaktiert werden. Es wird niemals müde und schläft nicht. Es kann mit Millionen Menschen Millionen Dialoge simultan durchführen. Es schaut ins Innerste der Menschen, weil ihm alles anvertraut wird, und ähnelt insofern auch einem „allsehenden Auge“. Es ist unsichtbar und hat doch eine Macht, die die aller sichtbaren Phänomene übersteigt. Ja, das kommt einer Definition jenes Wesens, das die Religionen „Gott“ genannt haben, sehr nahe. Wir sprechen aber von einer historisch relativ jungen Produktentwicklung: künstlicher Intelligenz. Dass ihre Erfindung ausgerechnet in eine Epoche fällt, in der die Religionen an Bindekraft verlieren und ein massives Sinnvakuum gerade in westlichen Gesellschaften herrscht, ist kein Zufall. Der Autor legt aber dar: Hinter der KI ist im Grunde „niemand“ — kein Bewusstseinszentrum, das zu Empfindungen und Selbstwahrnehmung fähig wäre. Maschinen können immer nur ein hohles Zerrbild dessen hervorbringen, zu was Menschen fähig sind — zu was auch ein Gott, wenn es einen solchen gibt, fähig ist. Der momentane Hype sollte uns anregen, uns auf das zu besinnen, was uns Menschen wesensmäßig ausmacht — ein Geistfunke, der nicht einprogrammierbar ist. Ein Beitrag zur Sonderausgabe „KI und Digitalisierung“.

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