Manova: 09-09-2026,

Manova: Ein sturer Pazifist

„Ein linker Liedermacher — oje!“ Nicht jeder wird sogleich voll froher Erwartung sein, wenn jemand Hans-Eckardt Wenzel so charakterisiert. Zu viele Fans waren in den letzten Jahren gerade von den Veteranen des deutschen Chansons und des Deutschrocks enttäuscht. Saturierte Ex-Idealisten hatten offenbar ihren Frieden mit dem Krieg gemacht, mit Bürgerrechtsabbau und der Einengung des Meinungskorridors — ihr Antikapitalismus wirkte nur noch wie eine Pose, verschwand hinter künstlerischen Anpassungsleistungen an eine repressiv auftretende Wokeness-Kultur. Wenzel ist demgegenüber ein Lichtblick. Er ließ sich nicht zurechtbiegen und auf ein bestimmtes angesagtes „Mindset“ festlegen. Er bleibt zottig, ungezähmt, scheinbar widersprüchlich und bei näherem Hinsehen doch sehr stimmig. Vielleicht hat auch seine Herkunft aus der ehemaligen DDR dafür gesorgt, dass Wenzel alten und neuen Denkverboten misstraut, dass sein Kampf gegen rechts nie phrasenhaft-performativ wirkt, sich vielmehr gegen Unterdrückung und Ausbeutung in allen ihren parteipolitischen Einfärbungen wendet. In seinem neu veröffentlichten Sampler „Lasst uns verweilen“ bekommen Interessierte einen facettenreichen Schaffensquerschnitt in neuem Gewand serviert — mit politisch-kämpferischen wie auch poetisch-privaten Liedern.

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