Nachdenk Seiten: 02-05-2026,
Seit dem Zweiten Weltkrieg wird die Bundesrepublik über diverse Bündnis-Strukturen immer wieder in fremde Machtkonflikte verwickelt. Nie geht es dabei um Deutschland, nie um Verteidigung. Das muss sich ändern, lautet die Forderung einer neuen Anthologie aus dem Westend Verlag. Deutschland muss neutral werden! Für den Appell haben die Herausgeber Uli Gellermann, Arnulf Rating und Jens Fischer Rodrian 31 weitere Autoren versammelt, allesamt Personen aus Kultur, Wissenschaft, Politik und Publizistik, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Eine Rezension von Eugen Zentner.
Gemeinsam ist ihnen die Forderung nach einem Austritt aus der NATO, nach materieller wie verbaler Abrüstung, nach mehr Diplomatie und pazifistischem Denken. Der Journalist Mathias Bröckers etwa schlägt einen neuen Verbund blockfreier Staaten vor, in dem sich Deutschland zusammen mit Österreich und der Schweiz um gute Beziehungen zu den Supermächten USA, China und Russland bemüht, sich aber aus (deren) Kriegen heraushält. Untermalt wird diese Idee mit viel Optimismus. Andere europäische Staaten würden diesem Vorbild folgen, glaubt Bröckers, der insbesondere Ungarn, Tschechien und die Slowakei erwähnt.
Deutschland muss wieder ein Volk guter Nachbarn werden – das schreibt NachDenkSeiten-Herausgeber Albrecht Müller genauso wie sein Journalistenkollege Roberto De Lapuente, der sich zudem für die „Einbindung Russlands in eine kontinentale Friedensordnung“ ausspricht. Seine Forderung nach Neutralität unterstreicht der Journalist damit, dass es nicht bedeutet, keine Interessen zu haben, „sondern endlich (wieder) eigene zu vertreten“. Ähnlich formuliert es die Schauspielerin und Publizistin Gabriele Gysi, für die Neutralität keine Schwäche ist,