Nachdenk Seiten: 03-08-2026,

Sie gingen so schnell und unerwartet, wie sie kamen – rund 60.000 meist junge Marokkaner, die am Freitag die spanische Enklave Ceuta überrannten. Während vor allem rechte deutsche Medien bereits vollkommen irreal von einem „zweiten 2015“ schwadronierten, standen ihnen die Regierungen der EU-Staaten und die EU selbst in Sachen mangelnder Redlichkeit in nichts nach. Nicht Marokko, das diesen Ansturm mindestens billigend in Kauf genommen, wenn nicht gar aktiv provoziert hat, sondern Spanien stand plötzlich im Fokus der Kritik. Das ist kein Zufall, hat Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez sich doch zum neuen „Lieblingsfeind“ der USA und Israels gemacht. Das Wochenende hat gezeigt: Mit Solidarität aus Europa darf er nicht rechnen. Ein Kommentar von Jens Berger.

Was im deutschen Blätterwald als Teil der „Flüchtlingskrise“ oder gar als „zweites 2015“ bezeichnet wurde, hat bei näherer Betrachtung mit der Flüchtlingspolitik relativ wenig zu tun. Ceuta ist ein Überbleibsel der Kolonialzeit und des Imperialismus – eine kleine spanische Enklave an der Küste Nordafrikas, umgeben von marokkanischem Staatsgebiet. Ceuta ist Teil der EU, aber nicht des Schengenraums. Zu vergleichen ist es daher mit Gebieten wie Französisch-Guyana, einem französischen Überseedepartement in Südamerika, das größer als Bayern ist, oder der Insel Réunion mitten im Indischen Ozean. Wer sich legal oder illegal in Ceuta aufhält, kann sich nicht frei und ohne Kontrolle in der EU bewegen, wie es beispielsweise AfD-Politiker am Wochenende gerne suggerierten. Zwischen Ceuta und dem Schengenraum befindet sich immer noch das Mittelmeer – für die 60.000 Marokkaner ohne Visum für den Schengenraum ein überwindbares Hindernis.

 » Lees verder