Nachdenk Seiten: 03-05-2026,

Wie Privatstädte und Sonderzonen politische Verantwortung aushebeln: Es geht bei Theorien zum „Network State“ oder zu Sonderwirtschaftszonen nicht nur um neue Orte, sondern um politische Ordnungen. Die Modelle verschieben Entscheidungsgewalt in Räume, die sich fast vollständig demokratischer Kontrolle entziehen. Von Detlef Koch.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Den ersten Teil der Serie finden Sie unter diesem Link, den zweiten Teil unter diesem Link, den dritten Teil unter diesem Link, den vierten Teil unter diesem Link.

Im Meer beginnt die Ausnahme

Seasteading (Wohnsiedlungen auf künstlichen Plattformen in internationalen Gewässern), Charter Cities (privat oder autonom verwaltete Stadtteile), Sonderwirtschaftszonen, Tech-Privatstädte und Network States erscheinen gern als technische, architektonische oder digitale Experimente. Der belegte Befund ist politischer:

Beim Seasteading und verwandten Konzepten handelt es sich nicht primär um technische oder architektonische Projekte, sondern um Experimente mit Jurisdiktion. Schwimmende Siedlungen, Charter Cities und Sonderwirtschaftszonen zielen darauf ab, alternative Regime von Besteuerung, Regulierung und politischer Ordnung zu etablieren. In privaten Stadtprojekten entstehen dabei mikroterritoriale Einheiten, in denen Governance teilweise vertraglich organisiert wird und klassische staatliche Steuerungsmechanismen ersetzt oder ergänzt.

Parallel dazu beschreibt Balaji Srinivasan den „Network State“ als digital koordinierte Gemeinschaft mit kollektiver Handlungsfähigkeit, Kapitalbasis und dem expliziten Ziel, physisches Territorium zu erwerben und langfristig staatliche Anerkennung zu erlangen. Es geht also nicht nur um neue Orte, sondern um politische Ordnungen, die sich der Gemeinschaft in Fragen von Recht und Verantwortung entziehen.

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