Nachdenk Seiten: 21-12-2025,
Kerala ist es in den letzten Jahren als einzigem indischen Bundesstaat gelungen, die extreme Armut zu beseitigen. Wie wurde das erreicht? Unter anderem durch eine klare öffentliche Politik, dezentrale Planung und eine umfassende Genossenschaftsbewegung. Von Vijay Prashad.
Liebe Freunde,
herzliche Grüße vom Schreibtisch des Tricontinental: Institute for Social Research.
Am 1. November 2025 wurde der südwestindische Bundesstaat Kerala – in dem 34 Millionen Menschen leben – von Regierungschef (Chief Minister) Pinarayi Vijayan für frei von extremer Armut erklärt. Kerala ist nach China, das 2021 verkündete, dass es die extreme Armut landesweit beseitigt hat, einer der wenigen Orte weltweit, an dem dies erreicht wurde.
Die Errungenschaft Keralas ist aus zwei Gründen von Bedeutung. Erstens ist Kerala in einem Land, in dem Hunderte Millionen Menschen immer noch in Armut leben, der einzige der 28 Bundesstaaten und acht Unionsterritorien Indiens, der die extreme Armut überwunden hat. Zweitens wird Kerala von der von Kommunisten geführten Linken Demokratischen Front (LDF) regiert, und ihm wird daher regelmäßig die Unterstützung durch die von der rechtsgerichteten Bharatiya Janata Party (Indische Volkspartei) geführte Zentralregierung verweigert.
Keralas Projekt zur Beseitigung extremer Armut (EPEP) entstand auf der Grundlage jahrzehntelanger Kämpfe von Arbeitern und Bauern, die starke öffentliche Institutionen und Massenorganisationen geschaffen haben, sowie der Arbeit mehrerer linker Regierungen. Das EPEP wurde von Vijayan – einem Führungsmitglied der Kommunistischen Partei Indiens (Marxisten) – während der ersten Kabinettssitzung der von ihm geführten zweiten LDF-Regierung im Mai 2021 auf den Weg gebracht.