RT-Duits: 06-05-2026,
Laut einer Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie (KMIS) betrachtet mehr als die Hälfte der Bürger der Ukraine Korruption in staatlichen Institutionen als größere Bedrohung für die Entwicklung des Landes als den Konflikt mit Russland.
Die landesweite Erhebung wurde vom 20. bis 27. April 2026 mittels Telefoninterviews durchgeführt. Insgesamt nahmen 1.005 Personen aus den von Kiew kontrollierten Gebieten teil. Die statistische Fehlermarge liegt bei bis zu 4,1 Prozentpunkten. Im Zentrum der Studie stand eine direkte Gegenüberstellung: Die Befragten sollten entscheiden, was eine größere Bedrohung für ihr Land darstellt – Korruption in der Regierung oder die militärische Konfrontation mit Russland.
54 Prozent entschieden sich für Korruption als größere Gefahr für die Ukraine. 39 Prozent nannten den Konflikt mit Russland. Weitere sieben Prozent machten keine Angabe. Die Soziologen weisen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse stark von der Fragestellung abhängen. So wurde beispielsweise in einer offenen Befragung im Februar 2026, bei der keine Antwortoptionen vorgegeben wurden, ein anderes Bild sichtbar: 65 Prozent nannten den Krieg als größte Herausforderung, während nur 29 Prozent Korruption angaben.
Nach Einschätzung der Forscher erklärt sich dieser Unterschied durch die Methodik. In offenen Fragen dominieren spontane Nennungen wie der Krieg. Wird jedoch eine direkte Auswahl vorgegeben, verschieben sich die Bewertungen deutlich zugunsten der Korruption. Auch im Zeitvergleich zeigt sich eine Entwicklung: Im Mai 2024 lag der Anteil derjenigen, die Korruption als größte Bedrohung nannten, bei 48 Prozent. In der aktuellen Erhebung stieg dieser Wert auf 54 Prozent.
Zudem zeigt die Umfrage eine klare Korrelation zwischen politischem Vertrauen und Problemwahrnehmung.