RT-Duits: 02-05-2026,

Die Schweiz verfügt über einen international etablierten Ruf als Standort hochstehender Spitzenmedizin, geprägt von strengen Qualitätsstandards und renommierten Universitätsspitälern. Umso stärker fällt ins Gewicht, was sich am Universitätsspital Zürich abzeichnet: Ein über Jahre hinweg schwelender Verdacht wird nun durch einen bevorstehenden Untersuchungsbericht auf eine breitere öffentliche Ebene gehoben.

Im Zentrum steht ein Vorgang, der für die Schweizer Spitallandschaft von erheblicher Tragweite sein könnte: rund 350 Todesfälle in der Herzchirurgie zwischen 2016 und 2020, davon waren nach früheren Medienrecherchen etwa 150 möglicherweise vermeidbar.

Gegenstand der Untersuchung ist die Frage, ob Patienten unnötigen Risiken ausgesetzt waren, ob interne Warnsignale nicht ausreichend beachtet wurden und ob in einzelnen Fällen auch aussermedizinische Interessen eine Rolle gespielt haben könnten.

Verfasst wurde der Bericht vom ehemaligen Bundesrichter Niklaus Oberholzer, der vom Spitalrat mit einer unabhängigen Aufarbeitung beauftragt worden war. Bereits dieser Umstand verweist auf die Dimension des Falls, da ein Universitätsspital die Klärung zentraler medizinischer Vorgänge an eine externe richterliche Instanz überträgt.

Im Fokus steht insbesondere die frühere Führung der Herzchirurgie. Seit Längerem kursieren Vorwürfe, wonach Kennzahlen zu Operationen und Mortalität sowie interne Qualitätsbeurteilungen nicht ausreichend kritisch geprüft oder intern beschönigt worden seien.

Zudem wird auf mögliche Verbindungen zu medizintechnischen Projekten hingewiesen, unter anderem im Umfeld des Produkts Cardioband zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen. Über diese Vorwürfe haben auch unabhängige Medien in der Schweiz berichtet und sie im Kontext der laufenden Aufarbeitung thematisiert.

Damit stellt sich eine grundlegende Frage, in welchem Ausmass medizinische Entscheidungen ausschliesslich am Patientenwohl ausgerichtet wurden und wo diese Interessen in den Hintergrund gedrängt worden sein könnten.

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